Deutsche Geschäftsfrauen im Ausland

istock_000013329113xsmallWenn weibliche Führungskräfte auf Geschäftsreise ins Ausland gehen, kann das für sie eine größere Herausforderung sein, als für ihre männlichen Kollegen. Denn neben interkulturellen Unterschieden sollten sie auch ihre Rolle als Frau im Gastland beachten. Schließlich ist man es nicht überall auf der Welt gewohnt, mit Frauen Geschäfte zu machen.

In Ländern wie China, Polen oder in skandinavischen Regionen, in denen die Frauenquote in Führungspositionen recht hoch ist, sind es Männer gewohnt, einer Frau als Verhandlungspartnerin gegenüberzusitzen oder ihren Anweisungen als weibliche Vorgesetzte zu folgen. Für deutsche Geschäftsfrauen ist es daher recht einfach, sich den nötigen Respekt zu verschaffen.

Wo es schwierig wird

Schwieriger wird es in Ländern, in denen die gesellschaftliche Rolle der Frau noch stark an traditionelle Vorstellungen gebunden ist. In Indien etwa ist der Frauenanteil unter Berufstätigen allgemein niedrig, da die Frauen an erster und hauptsächlicher Stelle ihre Aufgaben als Mutter und Ehefrau wahrnehmen. Ähnlich sieht es in Japan aus. Zwar haben Japanerinnen in der Ehe und als Verwalterinnen des Privatvermögens ganz klar die Oberhand, im beruflichen Umfeld trifft man sie allerdings nur bis zu einer mittleren Hierarchiestufe. Das führt auf der männerdominierten Führungsebene dazu, dass man sich sehr schwertut, Frauen als vollwertige Vorgesetzte oder Geschäftspartnerin zu akzeptieren. Hier gilt es, mit einem professionellen und seriösen Auftreten neben interkultureller Kompetenz auch fachliche Kompetenz zu zeigen und sich mit Geduld und Geschicklichkeit den nötigen Respekt zu verschaffen. Oft kann es auch hilfreich sein, wenn männliche Kollegen bei der gegenseitigen Vorstellung unterstützend auf die wichtige Position der Chefin hinweisen.

Auch nach Feierabend sind die Unterschiede in der Einstellung zu Frauen sichtbar. In vielen Ländern, besonders in stark muslimisch geprägten Regionen, herrscht eine starke Trennung zwischen den Geschlechtern. Deutsche Frauen sollten sich daher an After-Work-Events mit ihren männlichen Geschäftspartnern in einer angemessenen Form beteiligen oder diese gegebenenfalls ganz meiden, um nicht zu sehr zu irritieren.

Mit Machos richtig umgehen

Oft vermittelt aber das Verhalten zwischen den Geschlechtern im Ausland einen oft falschen Eindruck. Frauen aus dem südlichen Teil Europas oder Amerikas wie auch Polinnen oder Russinnen mögen galante Männer mit Manieren der alten Schule. Neben gelegentlichen Komplimenten dürfen sie ihnen gerne die Tür aufhalten, aus dem Mantel helfen oder den Koffer tragen. Deutsche Frauen sollten sich mit Höflichkeitsgesten dieser Art nicht herabgesetzt fühlen. Ihre Fähigkeit, sich selbst zu helfen, wird bei Weitem nicht angezweifelt. Vielmehr wird es als unhöflich empfunden, wenn die Frau darauf hinweist, dass die gutgemeinten Mühen nicht nötig seien. Auch sollte es nicht wundern, wenn man sich in solchen Regionen mit Wangenküsschen begrüßt. In Japan und stark muslimisch geprägten Ländern ist diese Nähe wiederum ein absolutes Tabu. Das gilt auch für lange Blickkontakte, da diese schnell falsch gedeutet werden können. In vielen Fällen ist es sogar unsittlich, einem Mann die Hand zu schütteln, da Körperkontakt zwischen Geschlechtern nur Ehepaaren vorbehalten ist. In den USA wird, wenn nicht gerade aus sittlichen Gründen, Frauen ebenfalls nicht die Hand gegeben, was dazu führen kann, dass sich eine deutsche Geschäftsfrau von einer männlichen Gruppe ausgegrenzt fühlt, ohne dass es so gemeint ist.

Das richtige Business-Outfit

Auch die Kleiderordnung spielt eine wichtige Rolle im Ausland. Während sich die deutsche Geschäftsfrau gerade bei beruflichem Aufstieg mehr und mehr dem gedeckten Farbspektrum und tendenziell männlichen Business-Dresscode annähert, sehen sich in anderen Ländern die Frauen nicht in der Notwendigkeit, ihre bislang gewohnte Garderobe zu verändern. Hinsichtlich der Frage, inwieweit die Kleidung die Figur betonen darf, herrschen weltweit große Unterschiede. In stark islamisch geprägten Ländern wird erwartet, dass sich Frauen nicht zu weiblich oder aufreizend kleiden, denn das würde sehr respektlos wirken. In Indien, Japan und China, wo die fachliche Kompetenz stark anhand des äußerlichen Erscheinungsbildes bewertet wird, ist eine seriöse und klassische Kleidung ratsam. Die Figur wird lediglich dezent betont. In Ländern wie Brasilien, Polen oder Russland kann es wiederum völlig normal sein, eine feminine Ausstrahlung über die Kleidung herauszustellen. Dort sollte es nicht wundern, eine Geschäftsfrau in leitender Position mit einem zwar feinen, aber kurzen Rock oder einem tiefen Ausschnitt anzutreffen. Ihre berufliche Professionalität wird dadurch keinesfalls infrage gestellt. Es ist selbstverständlich, dass Frauen, die es bis an die Spitze geschafft haben, nicht an Weiblichkeit verlieren. Denn eine Karrierefrau bleibt immer auch eine Frau.

Panagiota Gomes da Costa

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