Wer braucht schon interkulturelle Weiterbildung? – Teil VII

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Wie sehr benötigen eigentlich Mitarbeiter von international agierenden Unternehmen wirklich interkulturelle Weiterbildung? Ist es tatsächlich so sehr notwendig, Menschen auf alle möglichen Eventualitäten, die in fremden Kulturen auftreten könnten, derart vorzubereiten, dass sie in bloß keine Fettnäpfchen treten? Reicht es nicht einfach aus, sie ein Stück weit auch alleine ihre Erfahrungen machen zu lassen, bevor man eine solche Notwendigkeit überhaupt beschließt? Wer schließlich nicht völlig taktlos ist, schafft es auch alleine, seinen Weg zu finden, mit Menschen auszukommen, die anders sind. Tut er es doch nicht, kann das auch an dem Fehlverhalten des anderen liegen, das möglicherweise inakzeptabel und geschäftsschädigend ist. Da lohnt sich auch keine Investition in interkulturelle Weiterbildung.

Wann also ist ein derartiger Kompetenzaufbau notwendig? Vieles spricht für eine interkulturelle Weiterbildung, aber es gibt auch viele Meinungen dagegen. In der folgenden Serie werde ich immer auf einen von sieben häufig erwähnten Einwänden eingehen und unsere Sichtweise dazu darstellen. Dabei werde ich mich nicht auf eine interkulturelle Weiterbildung im Sinne eines allgemeinen Ländertrainings beziehen, da die Art und Intensität dieser Weiterbildung immer von der jeweiligen Geschäftsbeziehung, in der die Kollegen oder Geschäftspartnern stehen, abhängig ist und von einem kurzen Briefing bis hin zu einer intensiven Vorbereitung aus unterschiedlichen Lernformaten bestehen kann.

 

Wenn der Arbeitskollege zum interkulturellen Trainer wird

Oft heißt es: Unsere Mitarbeiter brauchen keine interkulturelle Weiterbildung, viele von ihnen stammen aus anderen Ländern und können entsprechend ihrer Herkunft im internationalen Kontakt geschickt eingesetzt werden.

Das bedeutet, man setzt für das Projekt in Moskau den russischstämmigen Mitarbeiter ein und schickt den aus der Türkei stammenden Mitarbeiter zu Vertragsverhandlungen nach Istanbul. Möglicherweise klappt das, es kann aber auch ziemlich schief laufen. Denn nur weil ein Mitarbeiter eine bestimmte Herkunft hat, bedeutet das noch lange nicht, dass er auch die Geschäftskultur in dem jeweiligen Land kennt und weiß, wie es in den Unternehmen dort zugeht. Denn für ein derartiges Wissen müsste er selbst lange genug mit dieser Kultur und am besten in dem jeweiligen Land gearbeitet haben.

Oft hören wir auch, dass interkulturelle Weiterbildung nicht notwendig ist, da die einheimischen Mitarbeiter im Ausland ihre deutschen Kollegen über die Eigenheiten der fremden Kultur aufklären. Da stellt sich allerdings die Frage, inwieweit die Einheimischen denn die deutsche Kultur kennen, um die Unterschiede herauszuarbeiten und einen Vergleich zu ziehen.

Beginnen wir also von vorne

Um eine ausländische Geschäftsbeziehung aufzubauen und erfolgreich zu pflegen, bedarf es neben beruflichen Übereinstimmungen auch dem richtigen Gespür für den zwischenmenschlichen Umgang. Je nach Kultur geht man aber unterschiedlich miteinander um und diese Unterschiede sollte man kennen. Hierfür ist es allerdings wichtig, sich zunächst der eigenen Kultur bewusst zu werden, die wir als solche in vielen Teilen oft gar nicht richtig wahrnehmen, schließlich wachsen wir mit ihr auf und leben sie einfach automatisch. Mit Ausnahme von ein paar sichtbaren Stereotype wie es in Deutschland Pünktlichkeit oder Regelorientierung sind, kennen wir meist nicht die Merkmale, die unsere kulturspezifische Verhaltensweise ausmachen. Das ist aber die Grundlage, für eine interkulturelle Verständigung und eine reibungsreife Zusammenarbeit. Haben Sie beispielsweise gewusst, dass Deutschland eine „Low-Context“-Kultur ist? Das bedeutet, dass Aussagen sehr direkt getroffen werden und größtenteils wörtlich gemeint sind. In „High-Context“-Kulturen wird viel indirekter kommuniziert, viele Nachrichten werden verschachtelt übermittelt, also eben im Kontext. Und während ein Deutscher nicht weiß, was er mit den Aussagen seines Geschäftspartners aus einer „High-Context“-Kultur anfangen soll, da diese scheinbar nichts zur betrachteten Sache beitragen, fühlt sich der ausländische Partner mit den direkten Äußerungen des Deutschen vor den Kopf gestoßen.

Interkulturelles Wissen erwerben

Um also im internationalen Geschäftskontakt die Unterschiede zu einer fremden Kultur zu erkennen und damit geschickt umzugehen, benötigt man Wissen auch über die eigene Kultur. Wer dieses Wissen hat und anwenden kann, besitzt interkulturelle Kompeten. Diese kann auf unterschiedlichen Wegen vermittelt werden kann. Der eine Weg besteht darin, einen Arbeitskollegen zu fragen, der aus diesem fremden Land stammt, aber beide Kulturen, die verglichen werden sollen sehr gut kennt und in beiden Ländern auch Berufserfahrung gesammelt hat, sodass er weiß, wie die Menschen dieser beiden zu vergleichenden Kulturen handeln, worin das alles verwurzelt ist und wie es sich entsprechend im Berufsalltag verhält.

Einen Arbeitskollegen zu haben, der dieses Wissen besitzt, damit erfolgreiche Geschäftsbeziehungen gemacht hat und gleichzeitig die Zeit findet, mit den richtigen Worten und didaktischen Mitteln sein Wissen weiterzugeben, ist natürlich Gold wert, denn das erfordert eine tiefgründige und zeitaufwendige Auseinandersetzung mit dem Thema. Kann er es nicht, stehen die interkulturellen Weiterbildungsunternehmen zur Seite.

Panagiota Gomes da Costa

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