China – Essen, trinken und Karaoke singen

sekt-und-bier_5Deutsches Alkoholverhalten

In Deutschland geht man gerne mal ein Feierabendbierchen trinken, stoßt auf Geschäftserfolge mit Sekt an oder schaut ausnahmsweise auf der Weihnachtsfeier auch mal etwas tiefer ins Glas. Ansonsten gehört Alkoholkonsum zum Privatleben. Wer es zu sehr Gegenstand seines beruflichen Umfeldes macht, sei es auch nur verbal, etwa durch Erzählungen darüber, wie feuchtfröhlich das letzte Wochenende war, könnte ein schlechtes Licht auf seine Person werfen, was nicht zuletzt image- und berufsschädigend sein kann. In vielen anderen Kulturen verhält es sich ähnlich und strenger, wie etwa in den USA, wo das Thema Alkohol im Beruf so verpönt ist, dass jede Art seines Konsums ein Fauxpas wäre.

Kulturelle Unterschiede zu China

Dafür geht es in manchen asiatischen Ländern umso lockerer zu. In China wird während eines Geschäftsessens Bier oder Wein, oft sogar Schnaps getrunken. Es werden Trinksprüche ausgebracht und man prostet sich heiter zu. Doch auch nach Feierabend kann es sehr feuchtfröhlich zugehen. Chinesische Kollegen verbringen nach der Arbeit sehr viel Zeit miteinander. Sie gehen gemeinsam in ein Restaurant oder eine Karaokebar und lassen dabei gerne mal die Gläser schwingen. Mit steigendem Alkoholpegel wird dabei der Karaokegesang immer lauter und schräger, aber auch die Gespräche lockern sich, werden hemmungsloser, ja sogar ordinärer. Doch diese Ausgelassenheit löst im Nachhinein bei wieder ausgenüchtertem Zustand keine Scham bei den Chinesen aus. Ganz im Gegenteil, je betrunkener oder – im friedliche Sinne natürlich – mehr daneben man sich benommen hat, desto lustiger sind am nächsten Arbeitstag die Gespräche und desto näher kommt man sich unter den Arbeitskollegen, was sich letztlich in der Zusammenarbeit sehr positiv auswirkt. Die in Asien so bedeutende Wahrung des Gesichtes, die oft bei Anmerkung der kleinsten Kritik und beim Widersprechen in Belanglosigkeiten gefährdet wird, verliert scheinbar in der Trunkenheit der Chinesen völlig an Bedeutung.

Vergleich Deutschland und China

Interessant ist hier der Vergleich zu Deutschland. Denn hier findet eher das Gegenteil statt. Der sachorientierte Deutsche schreibt das Thema Gesichtswahrung im beruflichen Kontext nicht so groß. Kritik oder klarer Widerspruch vom Vorgesetzten oder Kollegen ist kein Ausdruck des Scheiterns, zumindest nicht, solange es sich auf eine Sache bezieht und so auch ausgedrückt wird. Kritik ist angebracht und meist erwünscht, denn sie macht auf Verbesserungspotential aufmerksam. Sich vor seinen Arbeitskollegen volllaufen zu lassen und ihnen am nächsten Tag zu begegnen und in die Augen schauen zu müssen, kann dafür im deutschen Arbeitsalltag sehr unangenehm sein. Hier kann der Deutsche sein Gesicht verlieren, und zwar, wenn er sich im betrunkenen Zustand anders gibt, als er es im nüchternen Zustand tun würde und als ihn seine Kollegen kennen. Denn das signalisiert, dass er nicht mehr Herr über sein Verhalten ist, ein Zeichen von Schwäche, das ihn sein Gesicht kosten kann.

Panagiota Gomes da Costa

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