Wer braucht schon interkulturelle Weiterbildung? – Teil V

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Wie sehr benötigen eigentlich Mitarbeiter von international agierenden Unternehmen wirklich interkulturelle Weiterbildung? Ist es tatsächlich so sehr notwendig, Menschen auf alle möglichen Eventualitäten, die in fremden Kulturen auftreten könnten, derart vorzubereiten, dass sie in bloß keine Fettnäpfchen treten? Reicht es nicht einfach aus, sie ein Stück weit auch alleine ihre Erfahrungen machen zu lassen, bevor man eine solche Notwendigkeit überhaupt beschließt? Wer schließlich nicht völlig taktlos ist, schafft es auch alleine, seinen Weg zu finden, mit Menschen auszukommen, die anders sind. Tut er es doch nicht, kann das auch an dem Fehlverhalten des anderen liegen, das möglicherweise inakzeptabel und geschäftsschädigend ist.  Da lohnt sich auch keine Investition in interkulturelle Weiterbildung.

Wann also ist ein derartiger Kompetenzaufbau notwendig? Vieles spricht für eine interkulturelle Weiterbildung, aber es gibt auch viele Meinungen dagegen. In der folgenden Serie werde ich immer auf einen von sieben häufig erwähnten Einwänden eingehen und unsere Sichtweise dazu darstellen. Dabei werde ich mich nicht auf eine interkulturelle Weiterbildung im Sinne eines allgemeinen Ländertrainings beziehen, da die Art und Intensität dieser Weiterbildung immer von der jeweiligen Geschäftsbeziehung, in der die Kollegen oder Geschäftspartnern stehen, abhängig ist und von einem kurzen Briefing bis hin zu einer intensiven Vorbereitung aus unterschiedlichen Lernformaten bestehen kann.

 

Warum sollen immer nur wir uns anpassen?

Immer müssen sich die Deutschen an das Verhalten der anderen anpassen. Gut, wenn man beruflich nach China reist, dann sollte man ja doch ein paar Gepflogenheiten im Gastland kennen. Aber wenn Chinesen nach Deutschland zu Besuch kommen, dann sollten die sich doch anpassen, oder? Diese Meinung bekommen wir oft zu hören. Teilweise ist da auch etwas dran. Betrachten wir daher einmal das Ganze näher.

Keiner braucht sich anzupassen

Grundsätzlich muss sich keiner dem anderen anpassen. Das sollte auch nicht Ziel einer interkulturellen Weiterbildung sein. Vielmehr sollte es in einem solchen Training darum gehen, dem Teilnehmer deutlich zu machen, weshalb sich Menschen aus anderen Kulturen anders verhalten. Sie sollen die Gründe erkennen, die hinter ihren Handlungsweisen stecken, um diese nachvollziehen zu können und zu lernen, adäquat zu reagieren. Auf diese Art werden viele Missverständnisse gemieden, denn sobald man in einer bestimmten Situation die Betrachtungsweise des anderen kennt, läuft man nicht Gefahr, sein Verhalten und seine Reaktion, die sich aus dieser Betrachtungsweise ergeben, fehlzuinterpretieren. Nicht sich anpassen, sondern nachvollziehen und verstehen sollte somit das gewünschte Ziel einer interkulturellen Weiterbildung sein. Man sollte sich im Kontakt mit ausländischen Geschäftspartnern nicht verstellen, auch muss man nicht jedes Verhalten akzeptieren. Auf Dauer würde das sowieso nicht funktionieren. Aber man sollte gewisse Verhaltensregeln kennen und wissen, wie man am besten auf ungewohnte Situationen reagiert, ohne dem anderen dabei auf den Schlips zu treten oder ihn in seinen Augen zu beleidigen.

Weiterbilden oder nicht?

Sicherlich wäre es schön, wenn alle Menschen aus fremden Kulturen genauso denken würden, wenn bei allen das Bewusstsein für die Existenz von kulturellen Unterschieden vorhanden wäre. Und noch besser wäre es, wenn alle ausländischen Geschäftspartner sich auch interkulturell weiterbilden würden, bevor sie nach Deutschland kommen, um die deutsche Art und Weise nachzuvollziehen. Tun sie es aber nicht, liegt es an den Geschäftsleuten in Deutschland, kulturellen Missverständnissen vorzubeugen, um eine erfolgreiche Geschäftsbeziehung aufzubauen. Das klingt nun unfair, denn offensichtlich bemüht sich nur eine Seite um eine gute Beziehung, obwohl beide Seiten zumindest an ihren Ergebnissen interessiert sind. Was also tun? Die einzige Lösung besteht darin, sich die Frage zu stellen, wie wichtig einem diese Geschäftsbeziehung ist und wie sehr man es sich erlauben kann, diese zu gefährden. Sobald man sich darüber im Klaren ist, kann man abwägen, ob man interkulturelle Weiterbildung in Anspruch nehmen möchte oder nicht.

Panagiota Gomes da Costa

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