Wer braucht schon interkulturelle Weiterbildung? – Teil II

Interkulturelle Weiterbildung

Wie sehr benötigen eigentlich Mitarbeiter von international agierenden Unternehmen wirklich interkulturelle Weiterbildung? Ist es tatsächlich so sehr notwendig, Menschen auf alle möglichen Eventualitäten, die in fremden Kulturen auftreten könnten, derart vorzubereiten, dass sie in bloß keine Fettnäpfchen treten? Reicht es nicht einfach aus, sie ein Stück weit auch alleine ihre Erfahrungen machen zu lassen, bevor man eine solche Notwendigkeit überhaupt beschließt? Wer schließlich nicht völlig taktlos ist, schafft es auch alleine, seinen Weg zu finden, mit Menschen auszukommen, die anders sind. Tut er es doch nicht, kann das auch an dem Fehlverhalten des anderen liegen, das möglicherweise inakzeptabel und geschäftsschädigend ist.  Da lohnt sich auch keine Investition in interkulturelle Weiterbildung.

Wann also ist ein derartiger Kompetenzaufbau notwendig? Vieles spricht für eine interkulturelle Weiterbildung, aber es gibt auch viele Meinungen dagegen. In der folgenden Serie werde ich immer auf einen von sieben häufig erwähnten Einwänden eingehen und unsere Sichtweise dazu darstellen. Dabei werde ich mich nicht auf eine interkulturelle Weiterbildung im Sinne eines allgemeinen Ländertrainings beziehen, da die Art und Intensität dieser Weiterbildung immer von der jeweiligen Geschäftsbeziehung, in der die Kollegen oder Geschäftspartner stehen, abhängig ist und von einem kurzen Briefing bis hin zu einer intensiven Vorbereitung aus unterschiedlichen Lernformaten bestehen kann.

Interkulturelle Weiterbildung ist mehr als sich im fremden Land zu orientieren

Viele Menschen denken, bei einer interkulturellen Beratung wird Geschäftsleuten erklärt, wie sie sich im fremden Land zurechtfinden, sobald sie aus dem Flugzeug aussteigen, wie sie also ein Taxi oder ein Essen im Restaurant bestellen, nach dem Weg fragen, etc. Das ist schon wichtig, allerdings greift diese Antwort viel zu kurz. Zwar wird jeder interkulturelle Berater eine nützliche Antwort darauf haben, wie man im Ausland das Hotel findet, vor allem aber erklären interkulturelle Berater die „Psyche“ eines Menschen, der aus einer anderen Kultur stammt. Nach ihr kann man nicht so einfach fragen wie nach einem Taxi oder nach dem Tagesmenü im Restaurant. Und sitzt man erst im Taxi oder Restaurant mit seinem ausländischen Geschäftspartner, ist es gut, die kulturell bedingten Verhaltensmuster, die hinter ihm stecken, zu kennen. Denn tut man das nicht, kann das Gespräch leicht zu Missverständnissen führen, die die Kommunikation blockieren und die Beziehung schädigen. Und selbst wenn diese Missverständnisse im Nachhinein erkannt werden, lassen sie sich oft nicht mal mehr mit den besten Sprachkenntnissen glattbügeln.

Panagiota Gomes da Costa   

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