Wer braucht schon interkulturelle Weiterbildung? – Teil I

Interkulturelle Weiterbildung

Wie sehr benötigen eigentlich Mitarbeiter von international agierenden Unternehmen wirklich interkulturelle Weiterbildung? Ist es tatsächlich so sehr notwendig, Menschen auf alle möglichen Eventualitäten, die in fremden Kulturen auftreten könnten, derart vorzubereiten, dass sie in bloß keine Fettnäpfchen treten? Reicht es nicht einfach aus, sie ein Stück weit auch alleine ihre Erfahrungen machen zu lassen, bevor man eine solche Notwendigkeit überhaupt beschließt? Wer schließlich nicht völlig taktlos ist, schafft es auch alleine, seinen Weg zu finden, mit Menschen auszukommen, die anders sind. Tut er es doch nicht, kann das auch an dem Fehlverhalten des anderen liegen, das möglicherweise inakzeptabel und geschäftsschädigend ist.  Da lohnt sich auch keine Investition in interkulturelle Weiterbildung.

Wann also ist ein derartiger Kompetenzaufbau notwendig? Vieles spricht für eine interkulturelle Weiterbildung, aber es gibt auch viele Meinungen dagegen. In der folgenden Serie werde ich immer auf einen von sieben häufig erwähnten Einwänden eingehen und unsere Sichtweise dazu darstellen. Dabei werde ich mich nicht auf eine interkulturelle Weiterbildung im Sinne eines allgemeinen Ländertrainings beziehen, da die Art und Intensität dieser Weiterbildung immer von der jeweiligen Geschäftsbeziehung, in der die Kollegen oder Geschäftspartner stehen, abhängig ist und von einem kurzen Briefing bis hin zu einer intensiven Vorbereitung aus unterschiedlichen Lernformaten bestehen kann.

 

Die Globalisierung sorgt schon von allein für interkulturelle Weiterbildung

Die Globalisierung hat ermöglicht, dass Menschen aus unterschiedlichen Kulturen in Kontakt zueinander treten. Sie stoßen auf fremde Welten und bilden internationale Geschäftsbeziehungen. Sie erleben Verhaltensweisen, die sie als ziemlich schräg empfinden, an die sie sich mit der Zeit aber gewöhnen und mit denen sie lernen umzugehen. Jede Kultur trägt zur internationalen Zusammenarbeit bei, indem sie ihren Teil. Dieses Aufeinandertreffen der Kulturen hat daher sicherlich dazu geführt, dass wir uns alle ein Stück näher gekommen sind. Doch bis zu welchem Punkt? Welche kulturellen Unterschiede erkennen wir in einem fremden Land, und welche davon akzeptieren wir? Ist es nicht so, dass wir uns nur die herauspicken, die uns persönlich gefallen? Und diejenigen, die wir nicht mögen, lehnen wir ab oder verurteilen sie als geschäftsschädigend, ohne zu wissen, was wirklich hinter ihnen steckt?

Kulturelle Eigenheiten entstehen aus tief verankerten Einstellungen und Werten im Menschen, die sich nicht einfach aus dem Gespräch heraus erkennen oder anhand des Verhaltens feststellen lassen. Sie werden von so vielen gesellschaftlichen, politischen, sozialen oder religiösen Aspekten geprägt, dass es unmöglich ist, davon auszugehen, durch die Globalisierung könne sich eine weltweite Vereinheitlichung der Kulturen oder auch nur annähernd etwas in dieser Art bilden. Mag die Vorstellungskraft soweit reichen, dass sich ein einheitlicher Verhaltenskodex in der Geschäftswelt aufstellen lässt. Doch welche Kultur sollte hierfür als Grundlage herangezogen werden? Die wirtschaftsstärkste? Die bevölkerungsreichste?

Solange es Kulturen gibt, wird es Menschen geben, die unterschiedliche Identitäten vorweisen. Zur eigenen Identität zu stehen und gleichzeitig die des anderen zu kennen, zu verstehen und zu respektieren ist das, was interkulturelle Kompetenz ausmacht. Und das kann einem die Globalisierung nicht beibringen. Sie setzt es aber voraus.

Panagiota Gomes da Costa

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