Was taugen E-Learning-Kurse wirklich?

Masterarbeit_aufgeschlagen

Für ein bisschen Excel-Kenntnisse oder um die gängigsten Handgriffe eines Programms zu lernen, können E-Learning-Kurse ganz praktisch sein. Auch eignet sich ein Sprachlernprogramm ganz gut, um sich ein paar Sätzchen oder Redensarten auf Spanisch für den nächsten Südamerikaurlaub anzueignen. Um fließend sprechen zu lernen, sollte man aber doch lieber Präsenzveranstaltungen besuchen, schließlich kann ein Computer einem nicht alles beibringen, auf Schwächen und Unklarheiten  eingehen und mit einem reden, kann er erst recht nicht – so die Meinung vieler. Noch viel schwieriger wird es bei dem Thema Soft-Skills. Wie soll eine rechnergestütze Weiterbildung funktionieren, in der persönliche Eigenschaften und Fähigkeiten im Umgang mit anderen Menschen vermittelt werden sollen? E-Learning stoßt gerade im Bereich der weichen Faktoren auf große Kritik, doch in wie weit ist die begründet?

Und wie sieht es mit der crossculture academy aus? Seit Jahren beschäftigt sich das Unternehmen mit diesem Lernformat und hat vor kurzem erst die neue Generation seiner E-Learning-Kurse herausgebracht. Unsere Kollegin Sonja Hofmann hat nun im Zuge ihrer Masterarbeit an der Hochschule für Medien in Stuttgart untersucht, wie E-Learning-Kurse zur Vermittlung weicher Faktoren konzipiert sein sollten, um effizient und nachhaltig zu sein. Ihr Untersuchungsobjekt war dabei der Länderkurs von der crossculture academy „Geschäftskultur Frankreich“. Die erzielten Ergebnisse fielen dabei zu Gunsten von diesem Lernformat aus und schafften es, selbst die Einstellungen der befragten Personalverantwortlichen, die zu Beginn ihrer Untersuchungen die größten Skeptiker waren, zu ändern.

E-Learning: ein enormer Mehrwert

Die Personaler haben erkannt, dass zwar ein E-Learning-Kurs nicht immer eine Präsenzveranstaltung ersetzen kann, als unterstützendes Element dazu aber einen enormen Mehrwert darstellt, da mit der Kombination verschiedener Lernformate die Wirkung des Gelernten erhöht und gefestigt wird. Ein Beispiel dafür wäre die Vorbereitung eines Mitarbeiters auf eine Auslandsentsendung. Die interkulturelle Grundsensibilisierung durchläuft er mit einem E-Learning-Kurs, da es sich hierbei größtenteils um Faktenwissen handelt, das über E-Learning sehr anschaulich vermittelt werden kann. Anschließend wird er im Rahmen einer Präsenzveranstaltung auf die Spezifika des Entsendungslandes vorbereitet. Im Falle einer Teambuildingmaßnahme eines internationalen Teams eignen sich wiederum die Länderkurse sehr gut, um die wichtigsten Informationen über die einzelnen Kulturen der anderen zu bekommen und anschließend die Teamentwicklung in einer Präsenzveranstaltung zu durchlaufen. Diese Erkenntnisse erhöhten nicht nur bei den Personalern, sondern bei allen drei befragten Interessensgruppen – Nachfrager (Personaler), Nutzer und Anbieter – die Attraktivität der E-Learning-Kurse, nicht zuletzt, da sie zeit- und ortsunabhängig sind, so dass die Mitarbeiter auch über Ländergrenzen hinweg weitergebildet werden können.

Auf was es ankommt

Soweit so gut. Doch diese Erkenntnisse sind nur dann nützlich, wenn die E-Learning-Kurse gut sind. Um herauszufinden, was einen guten Kurs ausmacht, hat Frau Hofmann einen Kriterienkatalog mit den Hauptkriterien Didaktik, mediale Ausstattung und Technologie angelegt und die Unterpunkte, die für die Effektivität des Kurses und die Motivation, ihn durchzuführen, entscheidend sind, einzeln untersucht. Im Bereich Didaktik etwa hat sie untersucht, wie die Inhalte eines Kurses bereitgestellt werden sollten, um den Lerneffekt zu maximieren. Ein Kurs der rein aus Texten oder Videos besteht, schneidet natürlich schlecht ab, denn das wirkt für jeden Nutzer sehr monoton. Werden aber die Inhalte mit beiden Formaten bereitgestellt und noch um Quizeinheiten sowie Animationen oder Bereiche mit Zusatzwissen erweitert, ist der Nutzer beim Durchlaufen des Kurses aktiv beteiligt, was sicherlich seine Motivation und den Lerneffekt erhöht. Ob die Kapitel nach fixen Einstellungen durchlaufen werden müssen oder es dem Nutzer frei steht, über die Reihenfolge zu entscheiden, ein Kapitel zu überspringen oder auf ein beliebiges Kapitel zu wechseln, ist ein weiteres didaktisches Mittel, das vielen Befragten wichtig war. Die mediale Vielfalt bezog sich auf die Hervorhebung wichtiger Inhalte anhand von Farben, Bildern, Animationen u.a. Und schließlich sollte es nicht an der Technologie scheitern, all diese Bemühungen um erhöhten Lerneffekt und Motivation möglich zu machen: Ein E-Learning-Kurs sollte leicht bedienbar sein und auf allen gängigen Betriebssystemen funktionieren. Ist ein Nutzer beruflich bedingt sehr viel unterwegs, wird die Mobilität der E-Learning-Kurse sehr wichtig, denn der Nutzer sollte in der Lage sein, den Kurs auch im Zug auf seinem Tablet durchführen zu können.

Die Zukunft sieht gut aus

Und das sind nur ein paar wenige Beispiele aus den Untersuchungen von Sonja Hofmann, die sich mit Blick auf die Zukunft unendlich erweitern lassen. Eine Spiele-App wäre beispielsweise ein weiteres tolles trainingsbegleitendes Element, das neben dem Spaßfaktor und der Festigung der Lerninhalte dafür sorgt, den Lernerfolg messbar zu machen. Denn je nach App könnten die Spiele einzeln oder auch in Gruppen durchgeführt werden und somit über eine Punktevergabe die direkte Erfolgsmessung der jeweiligen Lernfortschritte ermöglichen.

Fazit der Arbeit ist, dass sowohl Nachfrager als auch Nutzer und Anbieter erkannt und bestätigt bekommen haben, dass E-Learning ein sehr wertvolles ergänzendes Mittel von Präsenzveranstaltungen zur Vermittlung weicher Faktoren ist, und dass die Untersuchungen von Frau Hofmann klare Ergebnisse darüber liefern konnten, welche Komponenten E-Learning-Kurse ausmachen, die selbst im Soft-Skill-Bereich eine gute Weiterbildung garantieren.

Panagiota Gomes da Costa

Auszug aus der Masterarbeit: Kapitel 5: Diskussion der Befunde und Handlungsempfehlung

Mehr zu den E-Learning-Kursen finden Sie hier.

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